Alt-Kanzler Schröder ruft in Erinnerung: „Die Ukrainer durften keinen Frieden schließen“

Alt-Kanzler Schröder ruft in Erinnerung: „Die Ukrainer durften keinen Frieden schließen“

Berlin. Der frühere SPD-Kanzler Gerhard Schröder, der seit Beginn des Krieges in der Ukraine wegen seiner Verbindungen zum Kreml heftig in der Kritik steht, läßt sich nicht verbiegen. Er hat jetzt in einem Interview auf die Vorgeschichte und Hintergründe des Krieges hingewiesen – die anders seien, als sie von westlichen Medien normalerweise dargestellt werden.

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Schwere Vorwürfe erhebt Schröder vor allem gegen die US-Regierung. Diese habe einen schnellen Friedensschluß kurz nach Beginn es russischen Einmarsches in der Ukraine verhindert. Bei Verhandlungen im März 2022 in Istanbul hätten die Ukrainer keinen Frieden vereinbart, „weil sie nicht durften“, sagte Schröder, und weiter: „Die mußten bei allem, was sie beredet haben, erst bei den Amerikanern nachfragen.“

Tatsächlich hatten sich Vertreter Rußlands und der Ukraine nach Kriegsausbruch mehrfach zu Verhandlungen getroffen, unter anderem in der Türkei. Nach russischen Angaben kam es dabei auch zu einer Einigung, die allerdings nicht umgesetzt wurde. Moskau warf Kiew damals – zurecht – vor, die getroffenen Vereinbarungen für eine Beendigung des Konflikts auf Geheiß Washingtons zum Scheitern gebracht zu haben.

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Schröders Erinnerungen sind durchaus korrekt. Der Schweizer Publizist und Geheimdienstberater Jacques Baud rief in einem Interview des unabhängigen US-Medienportals grayzone.com schon im Oktober 2022 in Erinnerung, daß es den USA und Großbritannien seit Ausbruch des Krieges mehrmals gelungen sei, einen Friedensschluß zwischen der Ukraine und Rußland zu vereiteln. Laut Baud habe es bis zu diesem Zeitpunkt insgesamt drei Versuche gegeben, einen Frieden zwischen Rußland und der Ukraine herbeizuführen – alle wurden vom Westen im Keim erstickt.

Der erste Versuch sei schon einen Tag nach Kriegsausbruch erfolgt, am 25. Februar. Laut Baud wurde der ukrainische Präsident Selenskyj aber von der EU zurückgepfiffen, schließlich war schon ein „Hilfspaket“ über 450 Millionen Euro für Waffen geschnürt worden. Bei einem zweiten Anlauf im März verhielt es sich ähnlich, so Baud. Auch in diesem Fall seien Waffenlieferungen des Westens – diesmal in Höhe von 500 Millionen – unterwegs gewesen. Der damalige britische Premier Boris Johnson sei sogar eigens nach Kiew geflogen, um auf den ukrainischen Präsidenten Selenskyj einzuwirken und einen Friedensdeal zu verhindern.

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Bei einem dritten Anlauf habe der türkische Präsident Erdogan ein Friedensabkommen vermitteln wollen. Auch dies habe Johnson unterbunden. Nachdem er „unerwartet“ nach Kiew geflogen sei, habe er bei einer Pressekonferenz in Kiew ausdrücklich klargestellt: „Keine Verhandlungen mit den Russen. Wir müssen kämpfen. Es gibt keinen Raum für Verhandlungen mit den Russen“. (mü)

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