Absurde Hoffnung: LNG-Gas ist keine Alternative zum russischen Gas
Berlin. Um die Abhängigkeit der deutschen Energieversorgung von russischen Gaslieferungen zu verringern, wird von der Politik immer wieder die Umstellung auf – teures und umweltschädliches – amerikanisches Fracking-Gas (LNG) ins Gespräch gebracht. Allerdings ist das nach dem aktuellen Stand der Dinge völlig illusorisch.
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Einige Zahlen: die derzeit noch in Betrieb befindliche Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 liefert pro Jahr 55 Milliarden Kubikmeter russisches Gas nach Deutschland – Rußland erfüllt bislang seine Verpflichtungen trotz der Eskalationsspirale. Die Vorstellung, dieses Volumen durch amerikanisches Fracking-Gas, das in speziellen Tankschiffen geliefert werden muß, zu ersetzen, ist schon rein rechnerisch abwegig. Die Fassungskapazität eines aktuellen LNG-Tankers liegt bei 147.000 Kubikmeter. Größere Tanker mit 250.000 Kubikmeter Kapazität sind in Planung, einige wenige gibt es bereits.
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Um die Jahreskapazität der Nord Stream 1-Pipeline zu ersetzen, würden etwa 374.150 Fahrten quer über den Atlantik benötigt. An jedem einzelnen Tag des Jahres müßten rechnerisch 1025 LNG-Tanker die Häfen anlaufen.
Aber 2018 gab es insgesamt nur etwa 470 dieser Tanker weltweit. Wegen der hohen Konstruktionskosten (etwa 200 Millionen US-Dollar pro Schiff) werden LNG-Tanker erst auf Kiel gelegt, wenn eine Langfristcharter etwa über 20 Jahre vorliegt.
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Es gibt aber auch keine adäquate Infrastruktur in Europa, um die benötigten riesigen LNG-Mengen umzuschlagen. In ganz Europa gibt es aktuell nur 29 LNG-Terminals. In Deutschland gibt es derzeit vier Projekte. Mit dem Bau begonnen wurde bislang noch bei keinem einzigen.
Aber auch für die europaweit vorhandenen 29 Terminals würde der rechnerische Bedarf bedeuten, daß die benötigten 1025 Schiffe auf 29 Terminals heruntergebrochen werden müßten: demnach müßten 35 oder 36 Schiffe pro Tag an jedem der 29 Terminals gelöscht werden. Eine komplette Tankerladung müßte in 40 Minuten gelöscht sein. Auch das ist unrealistisch: der Vorgang dauert bei den gängigen Tankern mit 147.000 Kubikmetern Fassungsvermögen 20 Stunden. Bei den künftigen 250.000-Kubikmeter-Tankern würde der Vorgang bis zu 30 Stunden beanspruchen.
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Die Hoffnung auf LNG-Gas als Alternative zum preisgünstigen und umweltfreundlichen russischen Gas, auf das die Bundesregierung um jeden Preis verzichten möchte, ist mithin – zumindest auf die nächsten Jahre hinaus – geradezu absurd. Sie erinnert an die Hoffnung auf „Wunderwaffen“ im Zweiten Weltkrieg. (st)
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